Einhundert Jahre Groß-Berlin (plus ein weiteres Jahr Corona-Verzögerung), was für ein Fest! So alt is die jute Großtante also schon? Sieht man ihr gar nicht an. Obwohl sie zwischendurch schon mal ziemlich abgewrackt aussah. Hat sich aber wieder gefangen und frisch gemacht. Und ist nun bereit für die Zukunft.

Der Architekten- und Ingenieursverein zu Berlin Brandenburg e.V. (AIV) hat sich für den Anlass dieses Jubiläums ein ganz besonderes Geschenk ausgedacht. Eine phantastische und sehr aufwendige Ausstellung – „Unvollendete Metropole“ – erweitert um das „Städtebau-Manifest für Berlin-Brandenburg„. Letzteres ist als Auftrag an die Stadtpolitik, aber auch an weitere Akteure der Stadtentwicklung gedacht, den Auftrag einer ausgewogenen und sinnvollen Stadtentwicklung endlich ernst zu nehmen.

Begleitet wird das Ganze durch eine enorme Reihe intensiver Gespräche mit wichtigen Personen aus dem Bereich der Stadtentwicklung, den so genannten Metropolengesprächen. All diese Gespräche können auch hier auf YouTube angeschaut werden. Das ist wirklich alles verdammt aufwändig und mit mit sehr hohem Anspruch konzipiert. Diesem hohen Anspruch ist es aber auch absolut gerecht geworden.

Zusätzlich gibt es einen Ausstellungskatalog und – sehr cool – ein sechsteiliges Magazin in dem die einzelnen Themen noch einmal in der ihnen gebührenden Ausführlichkeit bearbeitet werden. Und das Magazin lohnt sich wirklich, ich hab alle sechs Teile bestellt (35 €) und bereue es trotz meines schmalen Geldbeutels keine Sekunde.

Das Einzige was die Party ein wenig gesprengt hat, war leider Corona. Und jetzt wo Corona fast vorbei ist, irgend so ein unbekannter Berlin-Blogger. Aber der letzte Gast benimmt sich ja meistens etwas daneben.

Wie bitte? Achso, ja klar … der AIV. Hab ich noch gar nicht vorgestellt, wie unhöflich von mir. Also. Der AIV ist der älteste und ehrwürdigste Architektenverband Berlins – und Brandenburgs natürlich. Gegründet 1824, kann er wirklich auf eine reiche Geschichte zurückblicken und zählt auch heute noch zu einem der einflussreichsten Lobbyverbände denen man in der Region als Architekt*in oder Ingenieur*in angehören kann. Der Verein vertritt heute ca. 300 Mitglieder und repräsentiert sozusagen die „Crème de la Crème“ der Architektenzunft und des Bauingenieurswesens von Berlin und Brandenburg. Die Spitze des AIV hat gewissermaßen einen direkten Schlüssel für die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und damit meine ich nicht zu den Türen der Räume, sondern in die Köpfe der Entscheider*innen.

Was also macht der Architekten- und Ingenieursverein zu Berlin Brandenburg mit seinen Möglichkeiten? In einer Zeit in der die Stadt Berlin in einer ihrer schwersten Krisen der jüngeren Vergangenheit steckt.

Stichworte dieser Krise sind: Obdachlosigkeit, Verdrängung, Zukunftsangst, soziale Spaltung, Verschlafen des Klimawandels, keine Klimafolgenanpassung, Wasserknappheit, Versiegelung, Biodiversitätsverlust, Zerstörung von Grün- und Freiräumen, Erstarrung des Planungsrechts, Einseitige Bevorzugung von Investor*innen gegenüber den Bewohner*innen dieser Stadt, fehlende strategische Ausrichtung … um nur einige wenige zu nennen.

Berlin ist keine Stadt mehr, in der man gerne leben möchte. Jedenfalls unterhalb einer bestimmten Einkommensgrenze. Und die ist inzwischen unerreichbar für die Mehrheit der (noch) Bewohner*innen der Hauptstadt.

Natürlich wäre es vollkommen unfair, die soeben angerissenen Entwicklungen dem AIV anzulasten. Das stimmt nicht und das tue ich auch nicht. Trotzdem haben auch die Mitglieder*innen des AIV in ihrer täglichen Arbeit ordentlich dazu beigetragen, dass wir heute vor einem gigantischen Berg ungelöster Probleme stehen. Und dass die Art und Weise wie bisher geplant und gebaut wird, diesen Problemen (noch) überhaupt nicht gerecht wird.

Und der AIV hätte eine gewichtige Stimme gehabt, um frühzeitig auf Fehlentwicklungen hinzuweisen aber das ist nicht passiert. Was man allerdings jetzt so pauschal auch nicht sagen kann. 2019 z.B. hat sich der Verein mit voller Wucht in den Ring geworfen, um sicherzustellen, dass die Berliner Skyline endlich ihre Hochhäuser kriegt. Wobei deutlich darauf hingewiesen wurde, dass man die am Hochhausbau eventuell interessierten Investoren doch bitte auf keinen Fall mit so schrecklichen Auflagen wie Sozialwohnungen oder Nutzflächen für die Allgemeinheit abschrecken darf. Während andererseits jene rein optischen Spaßprojekte, die dann ausschließlich für die private Gewinnmaximierung Einzelner aber ohne jeglichen gesellschaftlichen Nutzen für die städtische Gemeinschaft umzusetzen wären, gemäß AIV auch mal gerne im Notfall durch Enteignungen der jetzigen Nutzer*innen durchgesetzt werden dürften.

Nun also seit Februar 2021 das so genannte Städtebau-Manifest. 14 Forderungen sind nach einem intensiven Abstimmungsprozess aus dem ursprünglichen Entwurf von Prof. Dr. rer. pol. Harald Bodenschatz hervorgegangen. Da steckt viel Arbeit und viel Koordination drin und das sieht man auch. Unterteilt ist das Ganze in die Bereiche „Städtebauliches Programm“ (11 Unterpunkte) und „Institutionelle Reformen“ (3 Unterpunkte). Alles hübsch rot umrahmt und das hat dann wirklich optisch etwas von so einem 1920er Jahre – Manifest.

Das fällt in´s Auge und es soll also auch ganz klar etwas besonderes sein. Nicht nur ein Text, kein Kommentar oder eine Forderung – sondern ein Manifest. Was ist ein Manifest eigentlich überhaupt? Prof. Dr. Wolfgang Asholt erläutert das Wesen des Manifest folgendermaßen im Deutschlandfunk Kultur:

„Ein Manifest ist eine Erklärung, die besonders öffentlichkeitswirksam sein will und darum mehr oder weniger radikale Forderungen formuliert. (…)“

Und das ist ja sowas von nach meinem Geschmack. Radikale Forderungen. Im Städtebau, der geradezu nach einer grundlegenden Veränderung schreit. So wie Ende der 1910er Jahre, kulminierend in dem berühmten Bauhaus Manifest von Walther Gropius. Auf die Barrikaden! Revolution! Was für ein Anspruch. Und wenn den jemand einlösen kann, dann ja wohl der Architekten- und Ingenieursverein zu Berlin Brandenburg mit seiner geballten Kompetenz und seinen enormen Möglichkeiten. Oder doch nicht? Kreißte der Berg und gebar eine Maus? Ich bin sehr neugierig, lasst uns mal reinschauen in das Städtebau-Manifest:

Es geht los. Im Vorwort stehen einige von meinen oben genannten Herausforderungen, und ein paar die ich nicht genannt habe (z.B. Ernährungswende, Verkehrswende, Kreislaufwirtschaft), minus natürlich der Erwähnung wie es zu den aktuellen Problemen gekommen ist. Ich betrachte mich mal ganz frech als ein „Vertreter der Zivilgesellschaft“, darf das Manifest also auch lesen. In der Kürze liegt die Würze, lang ist das Vorwort nicht, wozu auch. Dem Schnelleinstieg folgen 14 Paragraphen, die ich hier mal im Einzelnen kurz anreißen werde:

1.) „Den Siedlungsstern zum Strahlen bringen!“

Dazu heißt es: „Es [das Leitbild, d.A.] regt an, die künftige bauliche Entwicklung auf die Strahlen des Siedlungssterns zu konzentrieren und die Freiräume dazwischen vor Zersiedelung zu schützen.“

Hey, und schon jetzt merke ich wie schwer es werden wird, allein nur darauf zu antworten. Und das ist erst der erste Punkt! Ich muss hier mal eine Entscheidung treffen, sonst wird aus meinem Blogeintrag ein Buch und das liest sich dann auch keiner mehr durch. Also, die Forderungen sind kurz, ich werde entsprechend versuchen so kurz es eben geht, darauf zu antworten. Dann kommt natürlich gleich jemand und sagt „das ist ja total verkürzt“ und das stimmt dann, und damit müssen wir dann alle leben. Vielleicht entsteht ja irgendwie aus der ganzen Sache ein Austausch, dann kann ich besser erklären, was ich im Einzelnen mit meinen Antworten meine.

Hier zum Beispiel kommt meine Antwort zu Punkt 1 (Siedlungsstern):

Natürlich geht der Bodenschutz konsequent vor. Solange es noch versiegelte Flächen im Stadtraum gibt, auf denen man bauen kann (und diese zusätzlich entsiegelt), sollte das klaren Vorrang haben. Dennoch ist absehbar, dass der in Berlin zur Verfügung stehende Platz für eine wachsende Bevölkerung irgendwann nicht mehr ausreichen wird. Es sollte aber jedem bewusst sein, dass ein Wachstum in das Umland eine „ultima ratio“ und kein absichtlich herbeigeführter Zustand sein darf. Absichtlich herbeigeführt heißt in diesem Falle auch, dass die Menschen aus wirtschaftlichen (Mietpreise) oder rechtlichen (Eigenbedarf) Gründen aus ihren Quartieren vertrieben werden. Und es gibt ein weiteres Problem. Die planerischen Instrumente die Harald Bodenschatz hier vorschweben, um die „Besiedlung“ des Umlandes in der nötigen Feinabstimmung und über Jahrzehnte hinweg zu steuern, existieren gar nicht. Bzw. sie existieren irgendwie, aber ihr Einsatz lässt sich nicht wirklich kontrollieren.

Historisch betrachtet wachsen Städte entlang ihrer Siedlungsachsen und füllen danach die Räume zwischen den Achsen aus, bis nur noch rudimentäre Mini-Reste der ursprünglichen Freiräume als Relikt erhalten bleiben. Aktuell z.B. zu beobachten anhand der Entwicklungsmaßnahme „Blankenburger Süden“ im Norden von Berlin. Oder noch besser anhand der Art und Weise wie sich die Entwicklung an der südlichen Stadtgrenze zunehmend unkontrolliert entfaltet.

Ich würde gerne darüber diskutieren, wie ein Planungsrecht aussehen könnte, dass in der Lage ist, eine perlenartige Entwicklung an den Entwicklungsachsen dauerhaft zu sichern, und zugleich Grünachsen zurück durch die Stadt zu ziehen. Aber im Kontext unserer aktuellen neoliberalen Stadtentwicklung, wäre ein Startschuss für eine Umland-Entwicklung nichts anderes als ein Freibrief für ungebremste Naturzerstörung.

Und so kritikwürdig unser aktuelles Planungsrecht auch ist, es hat uns bisher (naja nicht überall) vor einer „Amerikanisierung“ der Raumentwicklung bewahrt. Dies ist auch dem planerischen Diskurs der 1990er und 2000er Jahre zu verdanken. Jetzt also Kommando zurück? Das würde ich nicht unterstützen. Und vielleicht gibt es ja noch andere Möglichkeiten (Stichworte z.B. Aufstockung, Baunutzungsplan, „Upzoning“, städtebauliche Entwicklungsmaßnahme, Bestandsschutz) die diskutiert werden könnten bevor man sich auf das Umland stürzt.

Der von der Jury ausgezeichnete Beitrag „Zusammenwachsen Landschaf(f)tstadt“ von Bernd Albers, Silvia Malcovati und Günther Vogt mit Maren Brakebusch und Rudi Scheuermann zum Internationalen Städtebaulichen Ideenwettbewerb Berlin-Brandenburg 2070 zeigt übrigens sehr schön, wohin die Reise gemäß AIV gehen soll. Da werden einfach mit einem roten Filzstift irgendwelche Flächen ausgemalt bis es „hübsch“ aussieht.

So etwas wie ökologische Kriterien gibt es da überhaupt gar nicht. Kaltluftkanäle und ebenso wichtig Kaltluftentstehungsgebiete – Fehlanzeige. Und das ist nur ein einziges Beispiel. Während sich die Welt weitergedreht hat und unser Wissen um ökosystemare Zusammenhänge gestiegen ist, hängen die Stadt- und Regionalplaner*innen (zumindest im AIV) noch immer in einer Vergangenheit fest, die sich vollkommen überlebt hat.

Ich habe unzählige Konflikte zwischen Naturschutz und Stadtentwicklung begleiten dürfen, und es hat sich immer wieder sehr deutlich gezeigt, dass die beteiligten Naturschützer*innen und Landschaftsplaner*innen ein sehr gutes Verständnis von aktuellen Fragestellungen und Konzepten der Stadtentwicklung haben, während umgekehrt absolut tote Hose ist.

Der Grund warum sich die Architektinnen und Stadtplaner diese unendliche Arroganz leisten können, ist dass ihnen niemals jemand ernsthaft in die Parade fährt. Jede kritische Anmerkung können sie in einem Ordner abheften und einfach immer und immer so weitermachen wie bisher. Ich kenne einige (angehende) Stadtplaner*innen die sich mit Grausen von ihrem Beruf abgewandt haben und jetzt etwas ganz anders machen nur um nicht Teil dieses sinnlosen Systems zu sein. Und das ist ein doppelt tragischer Verlust, denn diese Menschen fehlen nicht nur als Sachbearbeiter um Stellen zu füllen, sondern ihr kreatives Potential fehlt, um die echten Probleme zu bewältigen.

Und wenn eine erfahrene Stadtplanerin wie Frau Lompscher das Gleisdreieck oder den Mauerpark ernsthaft als „grüne Infrastruktur“ (06:32 YT) im Metropolengespräch bezeichnet , weiß man wirklich ganz eindeutig, dass der Weg von der heutigen Stadtplanung zur ökologischen Stadtplanung noch sehr, sehr weit ist. Im Grunde nicht zu bewältigen. Hier übrigens mal die echte Bedeutung des Begriffs grüne Infrastruktur. War nicht schwer zu finden! Wikipedia. Aber wozu nachschauen, wenn es doch immer ausreicht, einfach irgendwas zu erzählen.

2.) „Zentren aller Art stärken und ausbauen!“

Dazu hab ich gleich zwei Anmerkungen. Erstens zu „Die Gestaltung der großen Hauptzentren – die Berliner historische Mitte, die City West und die Potsdamer Mitte – bedarf vor diesem Hintergrund weiterer gesellschaftlicher Debatten und gestalterischer Anstrengungen.“ Wer würde das jetzt erst einmal nicht unterschreiben.

Aber wenn man sich mal so direkt ein Beispiel nimmt, sagen wir die City West, dann zeigt sich, dass allein dort schon zwischen dem Bezirk, der Senatsverwaltung und den Investoren ein Hauen und Stechen herrscht, das seinesgleichen sucht. Und in dieses Haifischbecken soll der unvorbereitete Bürger jetzt auch noch geworfen werden. Uaaa! Wer entscheidet denn jetzt am Ende was und wie gebaut wird? Die Bürgerin direkt? Was genau ist mit „gesellschaftlicher Debatte“ gemeint? Das muss man doch irgendwie präzisieren, wenn man so einen Punkt aufmacht.

Die zweite Anmerkung ist eher technischer Natur. Ich würde mir auch wünschen, dass man hinsichtlich der Zentren überlegt, wie es möglich ist, eine größere Flexibilität zu erreichen. Wie sich zeigt schwanken die Nutzungsansprüche ja deutlich schneller als das Planungsrecht voraussehen bzw. auf diese veränderten Ansprüche reagieren kann. Es wäre also zukunftsweisend, wenn man je nach Bedarf einfacher zwischen kommerziellen Nutzungen und sozialen Nutzungen wechseln könnte.

Ich gehe davon aus, dass dies mit der folgenden Aussage gemeint ist: „Für die Pflege und den Ausbau der einzigartigen Zentrenlandschaft soll (…) ein länderübergreifendes Zentrenprogramm entwickelt und umgesetzt werden, das Umnutzungen erleichtert, Fehlentwicklungen erschwert und vorhandene Praktiken wie „Aktive Stadtzentren“ ausbaut.“

3.) „Sozial und funktional vielfältige Wohnviertel erhalten und schaffen!“

Der wichtigste Punkt hier: “ (…) den Wohnungsbestand energetisch zu sanieren und behutsam in die Zukunft zu führen, neuen bezahlbaren Wohnraum in hoher baulicher wie städtebaulicher Qualität, Vielfalt und Mischung an sinnvollen Standorten durchzusetzen und eine Zersiedelung zu verhindern.“

Also so wie ich das sehe, steht im Moment eher an, die Stadt im Hinblick auf Klimaschutz und eine Anpassung an die Folgen des Klimawandels radikal in die Zukunft zu führen, denn behutsam wäre vor 20 Jahren gewesen. Aber diese Transformation passiert jetzt noch nicht unbedingt.

Wenn irgendetwas zur Zeit radikal passiert, dann die Entleerung der inneren Stadtviertel von den wirtschaftlich überflüssigen Bewohner*innen. In der Überschrift dieses Unterpunktes steht zwar, dass die sozial und funktional vielfältigen Wohnviertel erhalten werden sollen, aber die Anleitung sagt nicht wie das gehen soll.

Ungeklärt bleibt auch, wie neuer bezahlbarer Wohnraum in hoher baulicher und städtebaulicher Qualität geschaffen werden kann, während selbst neuer Wohnraum in grauenvoller Qualität aufgrund der Grundstückspreise und der Baukosten schon unbezahlbar bleibt. Und da sind die Kosten für Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen noch gar nicht enthalten.

Das ist alles, zugegebenermaßen, ein extrem komplexes und kompliziertes Thema. Was ich dazu zu sagen hätte, würde den Rahmen hier komplett sprengen. Nur mal eine Frage hierzu: Gäbe es irgendeinen Akteur am Berliner Immobilienmarkt (privat, genossenschaftlich oder kommunal) der bereit wäre (und in der Lage dazu) Wohnungen über den Bedarf hinaus zu errichten? Siehste.

In diesem Fachgespräch des AIV diskutieren übrigens zwei erfolgreiche Architekt*innen mit dem Vertreter eines börsennotierten Wohnungsunternehmens und einer von baulichen Details faszinierten Senatsbaudirektorin konsequent ohne Mieter- oder gar (Gott bewahre) Obdachlosenvertreter*innen über ein Problem, das sie nicht betrifft und nie betreffen wird.

Lösungen für die systemischen Herausforderungen der Bodenpreise, der Baukosten, der unzureichenden Steuerungsmöglichkeiten des Baurechts, sowie der Gefahren die den Bewohner*innen dieser Stadt durch den ungehemmten Zustrom von frischem Kapital in den Immobiliensektor drohen, werden hier nicht angeboten, nicht einmal Forderungen erhoben.

Jedenfalls abgesehen vom alten Mantra der Schleifung des Planungsrechts. Und natürlich diese unsägliche „Dichte“-Diskussion, die den einzigen Zweck hat, höhere Renditeansprüche der Investoren als angebliche neue städtebauliche Qualität zu vermarkten.
Menschenfreundliche Dichte ist ein delikater Balanceakt. Hier ist die Balance bei der Nachverdichtung einmal gelungen, so etwas hier (Foto) ist nur noch sadistischer Wahnsinn.

Das Problem ist, dass diese „alte Garde“ der Stadtplaner*innen nicht einmal eine vage Vorstellung davon hat, welche Kräfte auf die Stadt und das Umland in den nächsten Jahrzehnten einwirken werden. Wer nur noch im Rahmen der Marktkräfte denken kann, und sich Sorgen um einige Tage Projektverzögerung macht, weil die Grundstückspreise in der Zeit steigen könnten, kann das gesellschaftliche Problem der Wohnungsnot niemals lösen.
(Hat übrigens etwas von so einem Countdown im Shoppingkanal. Noch 7 Grundstücke im Angebot, jetzt nur noch 6 … es ist nämlich wahnsinnig wichtig, weitreichende Entscheidungen immer unter extremen Zeitdruck zu treffen. Lasst uns jetzt schnell die Stadt vollbauen, nächstes Jahr ist es teurer.)

Und es kommt noch mehr auf uns zu. Nehmen wir einmal Tesla als Symbol für die Entwicklung auf der einen Seite, und die Initiative DW-Enteignen als Symbol für die andere Richtung. Die extremen Spannungen die diese entgegengesetzte Entwicklung immer weiter erzeugen wird, werden sich unweigerlich entladen.
Natürlich kann man weiter gemütlich darüber diskutieren, dass man die Entwicklung der nächsten 20-30 Jahre bei Stadtentwicklungsprojekten mit bedenken sollte. Oder dass man visionäre Entwürfe braucht. Aber wenn die Verantwortlichen sich weiterhin konsequent weigern, zu verstehen, dass wir uns bereits jetzt in einer akuten Krise befinden, würde ich vorschlagen, das Personal zu tauschen. Bevor massiver, ggf. irreversibler, Schaden angerichtet ist

4.) „Den öffentlichen Schienenverkehr vermehren!“

„Der Schienenverkehr muss städtebaulicher Entwicklung vorausgehen, nicht nur auf sie reagieren.“

Puh, was soll ich jetzt dazu sagen? Ja klar, finde ich gut. Fehlt uns halt nur noch die Realität in der diese guten Ideen umsetzbar sind. Hier mal so ein ganz einfaches Projekt, das sich fast von alleine baut. Und hier, nur so der Vollständigkeit halber, eine Liste unmöglicher Möglichkeiten. Ich trau mich gar nicht, gedanklich ins Umland zu gehen.

5.) „Hauptstraßen und Hauptplätze urban gestalten!“

„Heute sind es wiederum die Hauptstraßen und Hauptplätze, auf denen sich der Erfolg einer Verkehrswende entscheiden wird.“

Ja das stimmt. Es sind die Hauptstraßen und Hauptplätze auf denen Aktivist*innen, Lobbygruppen und die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in genau diesem Moment die Verkehrswende entscheiden. Erfolgreich. Alleine.

6.) „Grün- und Freiräume sichern, pflegen und vermehren!“

In diesem Absatz geht es darum, die Bezirke ausreichend finanziell für die Pflege und Weiterentwicklung des Stadtgrüns auszustatten. Außerdem um eine nutzergerechte weitere Begrünung der Innenstadt und einer Stärkung der Regionalparks in den äußeren Bereichen. Sowie um eine Fortsetzung der Gartendenkmalpflege.

Ja, nee, super. Das ist ja richtig mutig.

Viele bestehende Grünflächen in Berlin wurden durch die rabiate Bauentwicklung in den letzten Jahren komplett zerstört. Und selbst bei großflächigen Bauprojekten wurden keine Grünzüge mehr mitgeplant.

Und während Einige für den Erhalt und die Neuschaffung von Grünzügen gekämpft haben, und Andere lieber Grünverbindungen überbaut haben, hat der AIV konsequent geschwiegen. Und ich bezweifle doch sehr stark, dass er jemals seine Stimme für den Erhalt auch nur einer Grünfläche erheben wird.

Denn wer öffentlich trompetet „Wie Leib und Seele des Menschen gehören die Bauten und die Grünanlagen zusammen (…).“ , aber selber nur Mietskasernen plant, steht auf der falschen Seite der Geschichte.

Und euch soll das zweite Bauhaus anvertraut werden, während ihr die Ideale des ersten konsequent verratet? Wohl besser nicht!

An manchen Orten sind in Berlin ernsthaft bald überhaupt keine nennenswerten Grün- und Freiräume mehr übrig. In einer Stadt die einmal ganz vorne lag in diesem Bereich. Aber egal – Hauptsache „Dichte“. Wozu steht der Punkt 6 eigentlich nochmal im Manifest?

7.) „Reines Wasser einschenken!“

Hier heißt es: „Notwendig sind stärkerer Schutz und Bewirtschaftung der Wasservorräte, mehr öffentlicher Zugang zu den Gewässern, eine verantwortungsvolle Freizeitnutzung sowie städtebauliche Integration der Gewässer in den Stadt- und Landschaftsraum.“

Und das ist doch mal ganz und gar und ausschließlich positiv. Vielleicht, vielleicht hat sogar der Impuls des AIV auch mit dazu beigetragen, dass es inzwischen einen Koalitionsantrag im Abgeordnetenhaus gibt, den Senat zu beauftragen, einen freien Uferzugang für alle Gewässer sicherzustellen.

Ich meine, gut, machen müssen das natürlich Andere, aber in einem Manifest darf man fordern.

8.) „Neue Großprojekte sorgfältig mit der vorhandenen Stadt vernetzen!“

„Alle neuen Orte müssen – anknüpfend an ihre Geschichte – eine eigene, besondere Form und Nutzungsmischung erhalten, die mithelfen kann, Identität zu stiften.“
Klar. Berlin und seine Bauten. Heimvorteil. Schön, dass der AIV seine Expertise da einbringt, wo sie benötigt wird.

Ich weiß jetzt noch nicht so ganz genau, wie das mit der Hochhaussache vom Anfang zusammengeht, aber das kriegt man schon irgendwie argumentativ hingebogen.

9.) „Den kommunalwirtschaftlichen Städtebau neu konzipieren!“

„Eine nachhaltige Metropole braucht eine strategische, langfristig orientierte Politik, eine leistungsfähige Verwaltung und einen verantwortungsvollen Zugriff (…) auf immer wieder neu auszuhandelnde Bereiche der Daseinsvorsorge.“

Sorry, aber da baut es auch schon wieder etwas ab. Welche Bereiche der Daseinsvorsorge sind denn bitteschön solche die man immer wieder neu aushandeln sollte? Heute hätte ich gerne sauberes Trinkwasser, morgen muss nicht?

Die Sache ist, ich ahne worauf der AIV hinaus will. Zumindest vielleicht, aber vielleicht liege ich auch völlig daneben. Aber nehmen wir mal an, ich habe recht. Dann ist die zugrundeliegende Idee, dass die Stadtpolitik und die Stadtverwaltung den äußeren Rahmen für die Entfaltung privater wirtschaftlicher Akteure im Stadtraum setzen.
Zum Wohle aller. Soziale Marktwirtschaft. So etwas wie die Abschöpfung von Planungsgewinnen wäre darin vielleicht enthalten, eine kommunale Bauhütte aber eher nicht. Und die Stadt soll der starke, bestimmende Akteur sein, der die Regeln vorgibt und von allen respektiert wird. Eine schöne Idee.

Aber im Moment schafft es der Bausenator ja nicht einmal, die ihm unterstellten landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften anzuweisen, bestimmte Dinge zu tun oder zu lassen. Die privaten Akteure machen ohnehin was sie wollen, im Zweifelsfall erklagen sie sich ihr Recht. Langfristige Orientierung wird in den politischen Wellenbewegungen zerrieben und die Verwaltung ist hauptsächlich damit ausgelastet sich selbst zu erhalten und nebenbei die Stadt am Funktionieren zu halten.

Und hey, das sind die guten Zeiten. Die schlechten kommen noch.

10.) „Die Hauptstadtrolle ernst nehmen!“

„Der Bund, aber auch die Länder müssen sich stärker als bisher der positiven Signalwirkung ihrer Hauptstadt auf der internationalen und nationalen Bühne bewusstwerden und aktiver sowie verantwortungsvoller Partner der Stadtentwicklung sein.“

Der Bund hat hier doch seine Bundesgebäude und Erinnerungsorte wie z.B. das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Die Länder haben ihre Ländervertretungen, was sollen sie denn sonst bauen.

Vor dem Bundesrat hätte man natürlich eine schöne repräsentative Fläche anlegen können, vielleicht sogar einen demokratischen Versammlungsort. Aber irgendwie stellt die „Mall of Berlin“ doch eigentlich am besten heraus, in was für einer Zeit wir im Moment leben.

Die Signalwirkung die von dieser Stadt in die Welt ausstrahlt, ist letztlich das was wir mit ihr als Bewohner*innen machen.
Die Welt schaut nicht auf uns weil wir besonders repräsentative Orte haben, sondern weil wir innovative Dinge tun.
Als es in Berlin noch Freiräume gab sich und seine Ideen zu verwirklichen, hat sich das rumgesprochen. Dass die Stadt jetzt ein toter Fisch ist und darauf wartet, das nächste London oder Paris zu werden, spricht sich auch gerade rum.

Und wenn es die Bewohner*innen dieser Stadt irgendwie schaffen würden, diese Entwicklung zu verhindern und der Stadtgesellschaft ihre Freiräume zurückzugeben – das würde sich aber mal sowas von rumsprechen.

11.) „Den Austausch mit anderen Hauptstädten und Metropolen intensivieren!“

Gut, dass Architekten gerne Bauausstellungen machen, ist jetzt nicht so extra erwähnenswert. Aber dass wir von den besten Ideen der ganzen Welt lernen sollten, da bin ich komplett d’accord. Und am besten zusätzlich auch aus deren Fehlern. Das hier hätte vielleicht den A-100 Planern geholfen. Aber welche Erfahrung ist die richtige, und welche sollten wir ignorieren? Am Ende landet der Prozess immer da wo er anfängt, beim direkten lokalen Austausch miteinander.

Tja, das war es mit dem einfachen Teil. Jetzt folgen im Manifest noch drei Forderungen für institutionelle Reformen. Vor allem die erste dieser Forderungen ist ziemlich heikel.

12.) „Das Verhältnis zwischen den Bezirken und dem Senat optimieren!“

Optimieren klingt immer gut. Wer könnte schon gegen „optimieren“ sein. Aber was heißt das denn jetzt genau?
Das z.B. der Senat die Bezirke durch eine flexible Personalreserve und verbesserte Rechtsberatung sowie durch fachliche Expertise dabei unterstützt, schneller Pläne zu erarbeiten die dann auch den aktuellen Herausforderungen (z.B. Klimaanpassung, Artenschutz, bezahlbares Wohnen) besser entsprechen? Oder doch etwas ganz anderes?

„Strategische Aufgaben von großräumiger Bedeutung wie die Gestaltung der Hauptzentren, die Gestaltung der Hauptstraßen, Hauptplätze und großen Grünanlagen, die Einbindung von Großprojekten und der Bau größerer Wohnungsbauquartiere sind der Hauptverwaltung zuzuordnen.“ Achso, ja ok, Danke – keine Unterstützung für die Bezirke, sondern etwas anderes.

Nun ist es aber bereits zur Zeit so, dass die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, fast jedes größere Verfahren ohnehin an sich zieht. „Strategische Aufgaben“ ist hier zu einem Kaugummi-Begriff geworden, der inzwischen absolut alles umfassen kann. Hier z.B. der Checkpoint Charlie, nur zwei kleine Grundstücke, weder für die Wohnraumversorgung noch sonst irgendwie relevant. Aber man lässt trotzdem den Bezirk nicht ran, weil der könnte ja irgendwas kaputtmachen. Keine Ahnung was, aber egal.

Die Senatsverwaltung behandelt schon heute die Bezirke in einer Weise, die sich absolut nicht mehr als kooperativ bezeichnen lässt. Und der AIV will das noch formalisieren, durch eine Verwaltungsreform! Wozu?

Was dem AIV vielleicht nicht so klar ist, sind die enormen Nachteile dieses Ansatzes.
Planungsverfahren laufen nicht immer reibungslos ab. Investoren können sich mit den Planenden zerstreiten, weitere Konflikte können auftreten, die gesellschaftlichen Ansprüche an die Planung können sich im Laufe des Verfahrens ändern, u.v.m.. Auch in den Bezirken erzeugen diese Konflikte erhebliche Spannungen. Auch dort sind sie schwer lösbar. Aber die politischen Grenzen sind zwischen den Fraktionen der Bezirksverordnetenversammlungen bzw. der Stadtentwicklungsausschüsse der Bezirke nicht so „absolut“ wie im Abgeordnetenhaus.

Letztlich lassen sich auf der Bezirksebene immer wieder politische Kompromisse schließen, die auf der Landesebene unmöglich wären. Hinzu kommt die Frage der demokratischen Teilhabe. Bürger*innen können (falls es die epidemische Lage zulässt) die Stadtentwicklungsausschüsse der Bezirke persönlich aufsuchen und ihre Perspektive dort einbringen. Dies ist im Ausschuss für Stadtentwicklung und Wohnen des Abgeordnetenhauses nicht möglich, und auch nicht erwünscht.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Es gibt natürlich Bauvorhaben, die nur durch den Senat geplant werden sollten. Der Bau neuer Stadtquartiere gehört selbstverständlich dazu. Aber warum z.B. ein kleineres und eher unwichtiges Gewerbegebiet nicht auch von einem bezirklichen Stadtplanungsamt bearbeitet werden kann, erschließt sich doch überhaupt nicht.

Wie es aussieht, möchte der AIV den Berliner Senat darin unterstützen, die eigentlich rechtlich garantierte kommunale Planungshoheit der Bezirke letztendlich vollständig abzuschaffen. Ich halte das für eine ganz schlechte Idee.

13.) „Das Verhältnis zwischen Berlin und Brandenburg robust und dauerhaft weiterentwickeln!“

Diesen Ansatz finde ich absolut richtig und unterstützenswert. Der AIV sagt folgendes: „Ziel ist eine kontinuierliche und nicht nur auf Einzelfälle bezogene Meinungsbildung und Abstimmung über gemeinsame Leitbilder und Strategien. (…) In die strategische Zusammenarbeit sollten neben den Vertretern der Kommunen und der Länder auch Vertreter der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft eingebunden werden.“

Und das sollte wirklich gemacht werden. Es gibt zwar bereits die Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg, aber es gibt noch kein Forum für einen Austausch der Bewohner*innen beider Regionen über die angestrebte Art der gemeinsamen Entwicklung. Dieser Prozess muss einem weiteren Ansatz zur Länderfusion unbedingt vorausgehen.

14.) „Demokratische Zusammenarbeit besser justieren!“

Es ist der letzte Punkt, und irgendwie leider auch der unlustigste. Wenn ich folgendes lese:
„Bei allen strategischen Fragen müssen zivilgesellschaftliche und wirtschaftliche Initiativen und Institutionen eingebunden werden.“,
denke ich sofort an den unglaublich anstrengenden, aber auch unglaublich erfolgreichen Prozess den Berlin beschritten hat als die Berliner Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft um ein gemeinsames Nachhaltigkeitsleitbild gerungen haben. Was waren das für Zeiten. Und was hätte daraus werden können! Will der AIV die Jahrzehnte der neoliberalen Stadtentwicklung zurückdrehen, und solch einen Prozess neu starten?

Natürlich nicht! Denn: „Auf der anderen Seite sind Privatwirtschaft wie Zivilgesellschaft gefordert, sich verantwortungsvoll und konstruktiv einzubringen.“
Es geht eben genau nicht darum, bei der strategischen Ausrichtung mitdiskutieren zu dürfen (wie beim LA21 Prozess), sondern darum, Entwicklungen in einem klar definierten Rahmen abzunicken. Am Besten formuliert ist dieser Anspruch im Übrigen in den „Leitlinien für Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an der räumlichen Stadtentwicklung“ der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Dort heißt es:

„Zu jeder Beteiligung gehört verbindlich eine öffentliche, schriftliche und verständliche Rückmeldung darüber, welche Empfehlungen aus der Bevölkerung berücksichtigt wurden und welche nicht. Werden Empfehlungen nicht aufgenommen, wird dies begründet.“


Und wenn unsere Planungsbehörden und die von ihnen beauftragten Planungsbüros in den vielen Jahren förmlicher Beteiligung eine Sache wirklich gut gelernt haben, dann wie man dem Bürger und der Bürgerin begründet, warum man ihre Einwände (leider, leider) nicht aufgreifen konnte.

Für den AIV als Architekten-Verband, kommt noch eine Extra-Herausforderung hinsichtlich der demokratischen Beteiligung hinzu. Architekten leiten mitunter bereits dann den Rechtsweg ein, wenn die sie beauftragenden Bauherren später nur winzige, ggf. sogar sinnvolle, Änderungen an ihren Projekten durchführen wollen. Wer glaubt, dass diese Elite sich dann sogar vom „allgemeinen Pöbel“ irgendwie reinreden lassen würde (egal ob im Planungsprozess oder der Umsetzung) glaubt auch, dass der Weihnachtsmann mit dem Pogostick zur Arbeit reitet.

Nun gut, das war´s. Ich bin alles einmal durchgegangen. Das sind meine Ansichten zum Städtebau-Manifest. Und sie sind subjektiv „to the max“ aber genau darum geht es bei einer eigenen Meinung. Das brauche ich weder zu verheimlichen, noch als etwas anderes zu verkaufen. Unabhängiges oder gar kritisches Denken ist heutzutage im Bereich der Stadt- und Raumplanung leider eh ziemlich rar gesät (und das ist kein Zufall, sondern harte Arbeit bei der Ausbildung) aber ich befürchte, damit geht auch ein wichtiges Korrektiv in der Welt verloren.

Als mir das „Städtebau Manifest für Berlin-Brandenburg“ das erste Mal über den Weg gelaufen ist, dachte ich wirklich „Wie cool – das ist genau das, was Berlin in seiner kritischen Lage jetzt braucht.“ Vielleicht ist das ja eine Neuorientierung, vielleicht sogar in Verbindung mit einer kritischen Reflexion der eigenen Rolle bei vergangenen Fehlentwicklungen.
Aber natürlich kann das nicht funktionieren. Die IHK schreibt ein anderes „Manifest“ als der Mieterbund, der Kaninchenzüchterverein oder der Anglerverband. Und jeder findet sich und sein Konzept immer großartig. Das erwartet man und darüber wundert man sich nicht. Ich weiß echt nicht, warum ich ausgerechnet vom Architekten- und Ingenieursverein zu Berlin Brandenburg e.V. etwas anderes erwartet habe, als den Wunschzettel eines Architekten-Lobbyverbandes. So naiv von mir.

Also noch einmal zurück zur Eingangsfrage: Ist das jetzt ein (revolutionäres) Manifest?

Nee, das kann man so jetzt echt nicht sagen! Das sind nur lauter Forderungen die von anderen Akteuren schon woanders deutlich radikaler und präziser gestellt wurden, und das von einem Verein, der absolut von Status quo profitiert … also ich wär bei der Ausstellung geblieben. Und den Heften, die sind gut.


Beitragsbild: pixaby – geralt

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